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Bestandsaufnahme | Amnesty International - Myanmar Koordinationsgruppe (2216)

Amnesty International Myanmar Koordinationsgruppe (2216)

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Myanmar Koordinationsgruppe (2216)

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Von der Adoptionsgruppe zur Kogruppe-Myanmar

Diese Rückschau und Bestandsaufnahme der Entwicklung und momentanen Situation unserer Gruppe möchte ich als meinen ganz persönlichen Erlebnisbericht schreiben.

Der Impuls zur Mitarbeit bei amnesty international ging für mich von dem Fernsehfilm "Holocaust" aus, der vor etwas mehr als 20 Jahren in mehreren Folgen gezeigt wurde. Die Hilf- und Machtlosigkeit der Menschen in der NS-Zeit erschreckte mich sehr und weckte in mir den Wunsch mich für die Menschenrechte engagieren zu wollen. Gleich an dem Tag nach Ausstrahlung der letzten Folge von "Holocaust" nahm ich telefonischen Kontakt zu ai auf. Beim ersten unsicheren Anruf erfuhr ich die Termine der nächsten Informationsabende. Damals musste man drei Abende besuchen, bevor man sich für eine Gruppe anmelden konnte. Mir wurde eine Pasinger Gruppe vorgeschlagen, da ich in der Gegend wohnte.

Voller Spannung erwartete ich den ersten Gruppenabend. Von den damals Anwesenden ist inzwischen nur noch Bernd Forster in unserer Gruppe und er war es auch, der sich besonders darum bemühte, mich gleich in ein freundliches Gespräch zu verwickeln und mir dabei einiges über die ai-Arbeit zu erzählen. Ich fühlte mich sofort herzlich willkommen und erlebte bereits an diesem ersten Abend, dass sich ai-Sitzungen in der Regel in zwei Teile gliedern: erst die ai-Arbeit und dann ein gemütliches Essen mit persönlichen Gesprächen. Voller Begeisterung stürzte ich mich nach diesem Treffen in die ai-Tätigkeit und lernte bald die drei Hauptbereiche der Adoptionsgruppenarbeit kennen: Gefangenenbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit und Geldbeschaffungsmaßnahmen.

Die folgenden Aktionen der damaligen Zeit sind mir in besonderer Erinnerung:

  • Einmal hat unsere Gruppe das ai-Büro in der Leonrodstraße komplett renoviert: Wände und Tische streichen, neue Lampen kaufen, aufräumen, Müll und Uraltmaterial wegwerfen.
  • Eine Frau in unserer Gruppe kannte den Regisseur Peter Lilienthal. Sie konnte ihn für eine einwöchige Film-Aktion mit ai im BMW-Kino gewinnen. Diese Veranstaltung fand weite Beachtung. Anwesend war auch unsere spätere Generalsekretärin Brigitte Erler.
  • Ebenfalls sehr erfolgreich waren zwei Kunstauktionen, eine im Aubinger KunstStadel (Dank sei dem Maler und Bildhauer Müller-Mettnau und seiner Frau) und die andere im Gasteig.

All diese und ähnliche Aktionen machten viel Spaß und sorgten für einen recht guten Gruppenzusammenhalt. Tiefer unter die Haut ging mir allerdings die Gefangenenbetreuung. Wir bemühten uns damals um Gefangene aus der UDSSR (Anhänger der Pfingstkirche) und um einen aus Uruguay. Natürlich erhielten wir aus der UDSSR kein einziges Mal eine Antwort und so lernte ich sehr bald, wie frustrierend ai-Arbeit sein kann. In Uruguay betreuten wir einen von der Militärdiktatur verfolgten Hochschullehrer. Auch mit ihm war kein Briefwechsel möglich, aber mit seiner Mutter. Dieser Briefwechsel ist für mich bis heute von meiner gesamten ai-Arbeit die Tätigkeit, die mich am tiefsten berührt hat. Immer wieder schrieb sie mir, wie viel Kraft und Hoffnung ihr die Gewissheit gebe, dass unsere Gruppe sich um das Schicksal ihres Sohnes, der von Folter und mehrfachen Scheinexekutionen betroffen war, kümmere. Nach mehreren Jahren kam Augusto frei, nicht durch unsere Arbeit sondern durch den Sturz der Militärregierung!

Die Fälle, die uns danach zugewiesen wurden waren weniger konkret greifbar. Hauptsächlich handelte es sich um Kriegsdienstverweigerer aus Griechenland und Spanien. In unserer Gruppe gab es zu der Zeit einen starken Wechsel der Mitglieder. Einige zogen weg, verloren das Interesse an der ai-Arbeit, wechselten in andere amnesty-Gruppen, hatten keine Zeit mehr wegen kleiner Kinder und beruflicher Belastung oder verschwanden einfach ohne Angabe von Gründen. Es dürften so etwa 20 Leute gewesen sein, die zeitweise bei uns mitgearbeitet haben und dann wieder gegangen sind. Außerdem gab es Differenzen über den Arbeitsstil in der Gruppe. Manche waren glücklich über öffentlichkeitswirksame Aktionen wie z.B. die Filmwoche mit Peter Lilienthal. Anderen waren solche Unternehmungen eher suspekt und viel zu aufwändig. Sie plädierten für schlichtere Basisarbeit und gegen eine Zusammenarbeit mit großen Firmen wie BMW. So gab es immer wieder sachliche und auch persönliche Reibereien. So etwas verkraftet eine Gruppe nur bedingt. Irgendwann ging uns der Elan aus. Die Gruppenarbeit zog sich etwas zäh dahin. Das war die Geburtsstunde unserer Kogruppe.

Nach so vielen Jahren der Adoptionsgruppenarbeit (ganz lange dabei waren Annette und Bernd Forster, Sigrid Paul, Andrea Martin-Langsdorf, Alexandra und Christoph Beck und Josef Riedl) reizte uns die intensivere Beschäftigung mit einem Land. Wir erkundigten uns bei ai-Bonn und erfuhren, dass die Kogruppe zu Birma verwaist sei.

Birma - ist das dasselbe wie Burma? Erst einmal mussten wir uns im Atlas und im Lexikon ein bisschen über dieses Land informieren. Ich war gleich begeistert, weil ich hier eine Möglichkeit sah, mein langjähriges Interesse am Buddhismus mit der ai-Arbeit für ein buddhistisches Land zu verbinden.

Schon bald schickte man uns aus Bonn die Kogruppenbetreuerin. Sie brachte uns einen ganzen Stapel Informationsmaterial mit und das nötige Know-how. Besonders begeisterte uns die Information, dass eine Kogruppe sich nicht mehr um Finanzbeschaffung kümmern muss, sondern ein bestimmtes, natürlich sinnvoll begründetes Budget anfordern kann. Voll frischer Begeisterung gingen wir an die Arbeit.

  • Faltblatt zu Birma gestalten und drucken lassen
  • Kogruppen-Rundbrief erstellen
  • Kontakt zu anderen Birma-Gruppen aufnehmen - besonders günstig entwickelte sich bald das Verhältnis zur Deutsch-Burmesischen Gesellschaft in Bruchsal und zu ihrem Vorsitzenden Harry Tun (Exil-Burmese)
  • Besuch des Kogruppentreffens – Langsam wurden wir fit für unsere neue Aufgabe. Hier einige Highlights aus der Arbeit der darauffolgenden Jahre:
  • Durchführung unserer ersten Länderkommission auf der Jahresversammlung in Köln fast unsere gesamte Gruppe nahm daran teil
  • Organisation eines Birma-Adoptionsgruppentreffens im Werkhaus München; Gäste waren Harry Tun und die burmesische Ärztin Dr. Cynthia, die an der burmesischthailändischen Grenze arbeitet
  • Ausrichtung des internationalen Birma-Kogruppentreffens im Werkhaus München mit Teilnehmern aus den USA, den Niederlanden, Schweden, Frankreich, Kanada und anderen Ländern; Referentin war Donna Guest, ai London

In all diesen Jahren unserer Kogruppenarbeit für Birma verbesserte sich die Lage im Land keineswegs. Inzwischen hatte die Regierung Birma in Myanmar umbenannt.

Nach den Unruhen von 1988 und dem überwältigenden Wahlsieg der Nationalen Liga für Demokratie mit ihrer Anführerin Aung San Suu Kyi erwachten große Hoffnungen auf eine Verbesserung. Aber diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Auch die Verleihung des Friedensnobelpreises an Aung San Suu Kyi bewirkte kein Einlenken der Regierung in Yangon. Zur Verleihung des Preises in Oslo fuhren von unserer Gruppe Sigrid und Josef. Die unter Hausarrest stehende Aung San Suu Kyi wurde von ihrem Sohn Alexander Arris vertreten.

Die Lage in Myanmar war festgefahren. Das hat sicher dazu beigetragen, dass meine Motivation in der Zeit nachließ. Außerdem waren meine Gedanken und Energien durch andere Bereiche gebunden. Nach einigem Zögern entschloss ich mich zum Austritt. Innerlich blieb ich aber der ai-Arbeit verbunden. Über Sigrid hielt ich auch den äußeren Kontakt, erfuhr von besonderen Veranstaltungen und Aktionen und hörte von den neuen Mitgliedern: Myriam Schippers, Christiane Keienburg und Sonja Lahmers, Almut Gersting und Roswitha Koch-Schropp.

Nach etwa sechs Jahren entwickelte ich wieder Interesse an einer aktiven Mitarbeit in der Myanmar-Kogruppe. Nun bin ich seit gut einem Jahr wieder dabei. Momentan haben wir 10 Gruppenmitglieder. Eigentlich eine ganze Menge, aber dennoch: Uns fehlen weitere engagierte Leute.

Nach Erzählungen von Reisenden ist Myanmar/Birma ein zauberhaftes Land mit freundlichen und fröhlichen Menschen, grandiosen Landschaften und faszinierenden Kulturschätzen. Von der drückenden Armut und der brutalen Unterdrückung großer Teile der Bevölkerung bemerkt der Durchschnittstourist meist nichts.

Wer hat Lust sich für dieses ehemals reiche Land, die frühere "Reiskammer Asiens" zu engagieren?

Elke Kragh