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"Strahlendes Bündel denkwürdiger Siege"

Erklärung anlässlich der Verleihung des Sacharow-Preises für die Freiheit des Geistes durch das Europäische Parlament an Frau Aung San Suu Kyi (Birma). Erklärung des Ehemannes der Preisträgerin, Dr. Michael Aris Kollegiumsmitglied des St. Antony's College, Oxford Gastdozent der Universität Harvard.

Aus diesem bedeutenden Anlass, bei dem unser aller Gedanken bei Suu in ihrer völligen Abgeschiedenheit verweilen, habe ich mich bereit erklärt, einige Worte über sie niederzuschreiben.

Seit frühester Kindheit war Suu immer bewusst, dass sie die Tochter des birmanischen Nationalhelden U Aung San war. Er wird als Führer des nationalistischen Kampfes verehrt und wurde 1947 im Alter von nur 32 Jahren ermordet. Das geschah unmittelbar vor dem Eintritt des Landes in die Unabhängigkeit, für die er Kämpfe und Verhandlungen geführt hatte. Damals war Suu zwei Jahre alt. In ihrem ganzen späteren Leben war sie bestrebt, von dem ihr unbekannten Vater zu lernen und die Prinzipien Freiheit, Disziplin und Selbstlosigkeit, die auf immer mit dem Gedenken an ihn verknüpft sind, zu verwirklichen.
Von diesen Grundsätzen lässt sie sich auch heute unmittelbar leiten in einem Kampf, der ein ganz anderer Kampf als der ihres Vaters ist, aber letztlich dem selben Ziel dient. Während ihr Vater gezwungen war, in den Bemühungen um Freiheit von äußerer Beherrschung die Gewalt der Waffen ebenso einzusetzen wie sein Verhandlungsgeschick, lehnt die Tochter entschieden die Gewalt bei all dem ab, was sie getan hat, um einer von Angst freien Gesellschaft den Weg zu bahnen.
Als wir vor bald zwanzig Jahren heirateten, verlangte mir Suu das Versprechen ab, mich niemals zwischen sie und ihre Heimat zu stellen oder sie an der Erfüllung dessen zu hindern, was sie als wesentliche Pflicht gegenüber ihrem Volk ansieht. Ich gab das Versprechen in dem Bewusstsein, dass sie irgendwann würde zurückkehren müssen, wenn für sie die Zeit gekommen sein würde, sich der Zuneigung und des Ansehens, das ihre Familie genoss, als würdig zu erweisen. Sie betrachtete die Ausbildung, die sie ab dem sechzehnten Lebensjahr in Delhi und Oxford durchlaufen durfte, stets als Vorbereitung für den Dienst an ihrem Land.

Ebenso, wie uns 1972 Schicksal und menschlicher Wille als Ehepartner zusammenführte, so kam sie 1988 aufgrund historischer Ereignisse und eigener Entscheidung zurück, um ihre sterbende Mutter zu versorgen, zu einer Zeit, als in Birma in Wellen von Bürgerdemonstrationen der politische und wirtschaftliche Wandel gefordert wurde.
Suu gründete dann eine Partei, die National League for Democracy. Im Mai 1989 errang die Partei in einem der größten Wahltriumphe aller Zeiten über 82% der in freien Wahlen zu vergebenden Mandate. Sie selbst war schon zehn Monate zuvor unter Hausarrest gestellt worden, hatte aber bereits eine landesweite Menschenrechtskampagne für zivilen Ungehorsam zustande gebracht. In einer eindeutigen Demonstration des Volkswillens entschied sich das birmanische Volk für die zurückgekehrte Tochter seines Helden. Zugleich wählte es die Frau, die sich mit ihrer Entschlossenheit und Klugheit in der politischen Feuertaufe behauptet hatte.
Seitdem ist mehr als ein Jahr vergangen, und das Land ist von der verheißenen Demokratie noch ebenso weit entfernt wie vor den Wahlen. Mir erscheint die Kluft sogar breiter denn je, aber wer kann es genau wissen? Suu ist noch immer allein im eigenen Haus eingesperrt. In diesem Monat beginnt das dritte Jahr ihrer politischen Freiheitsberaubung. Die Militärmachthaber haben sogar die Reste ihrer Partei gezwungen, sie als Führerin fallen zu lassen, und bedrängen sie weiterhin hartnäckig, ins Exil zu gehen. Unseren Söhnen und mir ist jeglicher Kontakt mit ihr unmöglich.

Ich möchte versuchen, von den Widersprüchen, die der schwierigen gegenwärtigen Situation Birmas zugrunde liegen, einen der weniger schwerwiegenden zu klären. Als Ausländer, der immer mit Suu verheiratet sein wird, bekunde ich hiermit, dass es mir völlig fern liegt, mich in die Innenpolitik des Heimatstaates meiner Frau einzumischen. Schon vor langer Zeit sind wir übereingekommen, dass ich, auch wenn ich ihr Anliegen mittrage, nie versuchen werde, sie als öffentliche Persönlichkeit zu beeinflussen. Sie handelt in freier Entscheidung.
Ich halte es aber nicht für unsinnig, sich an die Machthaber zu wenden, damit unsere Söhne und ich Suu regelmäßig besuchen dürfen. Das ist wohl nicht zuviel verlangt. Es entspräche doch den überall geltenden Normen für das bürgerliche Leben und den von allen Birmanen bejahten buddhistischen Prinzipien von Sitte und Mitgefühl.

Wir wollen sie wiedersehen und mit ihr sprechen. Sie fehlt uns.

Birma muss seinen eigenen Weg in die Zukunft finden. Das ist aber, wie ich meine, nur möglich, wenn auf die stetigen Forderungen von ihr und vielen anderen nach sinnvollem Dialog mit dem Ziel des Friedens und der Aussöhnung eingegangen wird. Sie selbst wird in diesem Kampf auf keinen Fall nachlassen, bis es soweit ist – bis sie gewiss sein kann, dass das Land auf dem richtigen Weg ist und sie ihre Pflicht erfüllt hat.
Erst dann wird sie sich ihrer Familie und dem Schreiben widmen können, wie es sich die gegenwärtigen Machthaber wünschen. Schon ihr Vater hatte immer die Absicht, dies zu tun, sobald der Unabhängigkeitskampf sein Ziel erreicht hätte, aber sein früher Tod verhinderte es.
Nicht ohne Grund gab ihr der Vater den Namen Aung San Suu Kyi. Vor unserer Heirat hat sie mir einmal die Bedeutung des Namens erklärt:

Strahlendes Bündel denkwürdiger Siege.

Obwohl wir gegenwärtig keine Möglichkeit der Kommunikation haben, weiß ich, dass Aung San Suu Kyi diesen ehrenvollen Sacharow-Preis im Namen ihres Volkes, nicht für ihre eigene Person, annimmt. Sie ist moralische Siegerin, gemeinsam mit all denen, die in Birma und überall auf der Welt für die Menschenrechte kämpfen und leiden.

Letzte inhaltliche Änderung: 20.12.2008 14:56 Uhr